Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten Urlaub in God's own Country God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaf
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19.04.2015
Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten
SO, 29.03.2015: Mysore
Heute geht es ein bisschen gemächlicher als gestern zu. Und es verspricht ein wunderbarer Tag zu werden!
Es beginnt schon damit, dass Shekhar ganz nebenbei an einer Kreuzung das Fenster öffnet, für 10 Rupies einen Strang gebundener Jasminblüten ersteht und mir diese nach hinten reicht. Die könne ich mir doch ins Haar binden. Nun bin ich absolut kein Blume-im-Haar-Typ in der karierten Bluse, die ich heute trage schon gar nicht, aber der Duft umweht mich, und ich werde im Laufe des Tages von asiatischen Touristen angesprochen, wo es so etwas gebe und zweimal von Indern, die mir “nice Flowers” hinterher rufen. Noch abends beim Ausbürsten der Haare kommt ein Hauch Jasmin in meiner Nase an, obwohl ich die Blüten schon nachmittags am Pool abgelegt habe. Blumen gibt es im Verlauf der Reise noch öfter, und so werden meine Erinnerungen an Südindien für immer mit dem Jasminduft verbunden bleiben.
Wir fahren jedoch mit Blumen im Haar zunächst zum Cauvery-River, der hier im Süden ähnlich heilig ist wie der Ganges im Norden. Hier halten wir an zwei Stellen und mir gehen wieder mal die Augen über ob der Schönheit und Farbenpracht indischen Lebens.Die Stelle ist übrigens im Reiseführer nicht zu finden, und nicht zum letzten Mal wundere ich mich über die Menschen hier, denen ich mit gezücktem Fotoapparat auf die Pelle rücken darf.
Familien pilgern hierher um Zeremonien abzuhalten, im heiligen Wasser zu baden und ihre Wäsche darin zu waschen.
Der erste Punkt ist ein Ort, an den Menschen kommen, die genau ein Jahr zuvor ein Familienmitglied verloren haben. Männer opfern ihre Haare inklusive des ansonsten unvermeidlichen Schnurrbartes, es gibt eine Zeremonie. Ich darf ungehindert fotografieren.
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Wir fahren weiter zum zweiten Punkt. Hier geht es turbulenter und lustiger zu. Irgendwie nett, wie die Kinder, verbunden mit Badespaß, an die Religion herangeführt werden. Und das Abhalten einer Zeremonie hält einen Priester beim Vorbereiten eines weiteren Schrittes nicht davon ab zwischendurch ein paar Worte mit mir zu wechseln. Alles sehr, sehr freundlich und aufgeschlossen.
Nur das lebende Huhn mit einer Lebenserwartung von wahrscheinlich nur noch wenigen Minuten, das hierher getragen wird, tut mir Leid.
Einige Menschen lassen hier ihre Kleidung zurück nach dem Bad, sozusagen als Opfer. Wer die Opfer sind, das entscheidet sich aber an ganz anderer Stelle: Eine offensichtlich sehr arme Frau sammelt Saris und Ähnliches ein. Shekhar ist der Meinung, sie wird die Stoffe verwerten, etwas daraus nähen, und nach einigen Tagen wird der gebrauchte und geopferte Sari als Hose für Touristen auf dem Bazar ankommen. Dieser Gedanke wird mich für den Rest der Reise davon abhalten billigen Quatsch zu kaufen.
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Wir fahren noch zu einem Tempel ganz in der Nähe, in dem ich mich in der Schlange zum Heiligtum anstellen darf. Das ist äußerst selten, denn in die Tempel darf man, zum Heiligtum kaum jemals. Für die Gläubigen Warterei, für mich ein großer Spaß. Ich werde angelächelt während wir durch die Warteschlange stehen, und einer fragt mich “Hoddidunaddidy?” Ich rate richtig und antworte “German”, worauf er mir begeistert die Hand schüttelt. Die Frage lautete wohl also tatsächlich: “What is your nationality?”
Auf dem Rückweg hält Shekhar noch an einem Betrieb, der Zuckerrohr verarbeitet. Hier geht es ähnlich zu wie in der Rumdestille auf Grenada. Allerdings wäre mir bei den hygienischen Bedingungen hier wohler, würde man hochprozentigen Rum und keine Zuckerbrocken herstellen. Dennoch spiele ich kurz mit dem Gedanken, solchen Zucker mitzunehmen, denn den gibt es so hergestellt bei uns nicht: Das Zuckerrohr wird per Hand durch eine Presse gejagt, das ausgepresste Rohr auf dem gesamten Grundstück zum Trocknen verteilt und per Hand von einem Mitarbeiter ins Feuer gegeben, das unter den großen Becken brennt, in denen die Masse so lange eingekocht wird, dass man sie in Formen füllen und zu Quadern mit Loch drin pressen kann.
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Wir fahren noch zur Kathedrale, die irgendwann von den Briten im gotischen Stil erbaut wurde. Und während ich denke, dass ich mich hier auf sozusagen vertrautem Boden bewege, muss ich beim Betreten des Gotteshauses laut lachen - auch hier stehen die Schuhe vor der Tür! Und ansonsten fällt auch hier auf, dass es streng zugeht: Während ich mich in den Hindutempeln immer willkommen fühle, steht hier eine sehr gestrenge Dame mit einer Art Schlagstock in der Tür und herrscht mich an: “Camera off, camera off.” Nee, ich glaube, ich konvertiere!
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Und die Moschee unterwegs:
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Es schließt sich ein Mittagessen an. Zum Essen gibt es wie so oft schönen Joghurt. Der dient als Nachtisch. Und dazu kommt der Kellner mit einem Napf Zucker und gibt mir einen riesigen Löffel davon in das kleine Näpfchen. Shekhar winkt erschrocken ab, aber der Kellner reagiert mit einer Geste, die in etwa besagt, “ach, hab dich nicht so” und haut mit einem strahlenden Lächeln zu mir noch einen Löffel drauf.
Erst am späten Nachmittag wird es weiter gehen. Ich nutze die Pause um ein wenig auf der Dachterrasse des Hotels und in dem kleinen Pool dort zu entspannen.
Gegen 16.30 Uhr fahren wir los. Shekhar fährt mich noch an einigen Prachtbauten aus der britischen Kolonialzeit vorbei, die nun fast alle in staatlicher Hand sind und Post, Polizei oder Militär beherbergen.
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Wir fahren hoch zum Chamundi-Hill, wo ich von einem Inder fast in eine Schlange zum Allerheiligsten gezogen werde, denn um 18 Uhr schließt der Tempel für eine Puja, und vorher wollen wir alle doch noch gesegnet sein, oder? Wieder strahlen mich große braune Kulleraugen an...
Der Tempel ist nicht soooo wahnsinnig sehenswert, wenn auch wegen des Gedränges in der Spätnachmittagsatmosphäre erlebenswert. Die meisten Touris fahren hierher wegen des Blickes auf die Stadt, der mir aber wegen des Blickes gegen die Sonne und des Dunstes über der Stadt verwehrt bleibt. Also, Leute, fahrt hier lieber morgens her!
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Ich gehe zu Fuß eine ganze Reihe von Stufen runter zum Ochsentempel, der letztlich eine Granitstaue eines Ochsen und einem Altar davor besteht. Auch hier erlebe ich mal wieder, wie Kinder in die Religion einbezogen werden: Eine Mutter mit ihrem etwa zweijährigen Sohn drückt dem Jungen einen Zehner in die Hand, den er in die Opferschale legen darf. Sie hält ihre Hand über das Feuer und streicht die so erhaltene Segnung dem Jungen über den Kopf, dann das Gleiche nochmals für sich selbst. Sie nimmt einen Löffel gesegnetes Wasser, gibt es dem Jungen zu trinken und streicht den Rest auf seinen Kopf, das Gleiche für sich selbst. Sie nimmt einen Tupfer roter Farbe und drückt dem Jungen einen Punkt auf die Stirn, das Gleiche für sich selbst.
Ich habe hier heute erlebt, wie selbstverständlich, fröhlich und offen die Religion praktiziert wird, wie selbstverständlich andere wie ich willkommen sind. Und ich freue mich, dass ich das erleben darf, wieder mal fast unbehelligt von allem, was einem so in Indien angedroht wird. Und irgendwie lassen mich heute auch wieder die Guides kalt, die mich natürlich auch heute den ganzen Tag über immer wieder ansprechen.
Wir fahren zum Palast, in Kürze beginnt die Illumination. Staunend stehe ich vor dem Licht von 90.000 Birnen, oder realistischer wohl nur 85.000, wie bei näherer Betrachtung deutlich wird, das die Konturen des Palastes hervorhebt, außerdem die aller Nebengebäude.
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Ein herrlicher Tag geht zu Ende, der sicher davon beeinflusst war, dass ich keine Sehenswürdigkeiten mit indischer Bürokratie hatte, was aber zum großen Teil auch daran lag, dass ich nach meinem Down gestern wieder zu Ausgeglichenheit gefunden habe und meine Perspektive auf das Land wieder deutlich eingerenkt ist.
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