Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten Urlaub in God's own Country God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaf
Reisen, Urlaub, Ferien Bewertung wird geladen...
19.04.2015
Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten
DI, 31.03.2015: Ooty-Kochi
Beim Frühstück bekomme ich keinen Bissen herunter. Nein, nein, nicht, dass es nicht schmeckt, aber alle gefühlt 32 Sekunden steht einer hinter mir und ich muss mit vollem Mund verneinen noch Saft, Omelett, Toast oder Kaffee zu wollen oder ich muss bejahen, dass ich alles habe, was ich brauche. Ein wenig fühle ich mich wie der Gast in dem Loriot-Sketch, der immer wieder auf die Frage “schmeckts?” antworten muss, während er doch eigentlich nur seine Roulade ohne Krausbandnudeln essen will.
Es liegt ein langer Fahrtag vor uns. Erst gegen 17 Uhr werden wir in Kochi ankommen.
Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich abgelehnt habe nicht bis Conoor mit dem Toy Train zu fahren, denn bis dahin ist es recht langweilig. Andererseits wären wir dann noch fast 2 Stunden später in Kochi angekommen, also ist es auch wieder gut. Und so wird nur der Bahnhof in Conoor kurz geknipst.
DSC04822.JPG
Dann allerdings wird es sehr schön: Teeplantagen säumen den Weg, herrliche Bäume mit blauen Blüten setzen Farbakzente.
DSC04833.JPG DSC04835.JPG DSC04837.JPG DSC04839.JPG DSC04847.JPG DSC04850.JPG DSC04854.JPG
Wieder im flachen Land angekommen, wird es langweiliger und vor allem heiß. Zeit für ein Nickerchen, das Weiterschreiben des Reiseberichtes (hat eben auch Vorteile, wenn man nicht selbst fährt) und Beobachtungen am Rande. Ich stelle fest, dass Indien hier im Süden entweder ohnehin moderner ist oder aber das Land in den letzten 1,5 Jahren insgesamt moderner geworden ist. So kommen wir immer wieder auch auf dem platten Land an Filialen einer Starbucksalternative “Coffee Day” vorbei und ich entdecke den einzigen “Applebee’s”, den ich jemals außerhalb der USA gesehen habe. Kurz vor Kochi kommen wir an Autohäusern aller erdenklicher Marken vorbei, und auch ein Decathlon ziert den Weg.
Die Fahrt ist nervig: Erst die steilen Kurven, dann immer wieder Baustellen, Ortschaften, das ständige Gehupe. Kurz vor Kochi gießt es auch noch eine viertel Stunde heftig. So gerne ich auch selbst fahre, hier würde ich es nicht tun wollen.
Nebenbei bietet sich hier auch die Gelegenheit ein wenig mit Shekhar zu schwatzen. Ich habe den Eindruck, dass er ein eher traditioneller Mensch ist, zum Glück ein toleranter traditioneller Mensch, der im besten Sinne Werte der indischen Gesellschaft hochhält, aber sehr gut weiß, dass es anderswo in der Welt auch anders zugeht.
In Kochi bin ich so richtig dankbar mit Fahrer unterwegs zu sein. Shekhar schlägt vor, dass wir die Fähre nehmen, denn das geht schneller als außen herum zu fahren, und er nutzt die Zeit, während ich auf der Fähre die ersten Fotos der chinesischen Fischernetze mache (“stand on this side, so you have the best view”) mir telefonisch schon eine Karte für das Kathakali am Abend zu reservieren.
DSC04875.JPG DSC04881.JPG
Sein Zeitplan geht genau auf. Während ich schnell unter die Dusche hüpfe, hat er schon die Karte besorgt für die erste Reihe Mitte, begleitet mich dorthin, und ich kann mir das Spektakel ansehen.
Zunächst kann man zusehen, wie die Darsteller sich schminken bzw. geschminkt werden. Die Farben bestehen allesamt aus natürlichen Zutaten, so besteht der weiße Bart des einen Darstellers aus Reisbrei.
DSC04890.JPG DSC04893.JPG DSC04907.JPG DSC04917.JPG
Dann wird ein wenig erklärt, was Kathakali ist, einige der Bewegungen werden erklärt. Die Darsteller drücken mimisch und gestisch Gefühle wie Wut oder Trauer aus, indem sie quasi mit dem Gesicht zur Trommel tanzen, es gibt bestimmte Gesten für Begriffe wie “Sohn” oder “Ehefrau”, und auch Aufforderungen wie “komm bitte!” oder “komm sofort her!” können in unterschiedlicher Stärke ausgedrückt werden.
Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt: Böser König macht unschuldiges Mädchen an. Unschuldiges Mädchen berichtet es weinend dem strahlenden Helden. Der strahlende Held bringt bösen König dafür um. Alle Rollen werden gespielt von moppeligen Herren, die jedoch erstaunlich fix und ausbalanciert dabei sind. Aber dafür haben sie es ja auch viele Jahre lang studiert…
DSC04922.JPG DSC04930.JPG DSC04937.JPG
Ich gehe noch ein wenig durch die Stadt, in der ich mich nun am Abend bei nachlassender Hitze wohl fühle. Eine Menge Deutsche sind unterwegs, denn heute hat die AIDA hier angelegt.
Ich finde ein ganz nett aussehendes Lokal. Und, oh Wunder - oder eben wegen der vielen Christen hier nicht “oh Wunder” - findet sich Rindfleisch auf der Speisekarte. Übrigens hat Shekhar zur Heiligkeit der Kühe und deren Verehrung berichtet, dass dem einen oder anderen Viehzüchter hier dann doch das Portemonnaie näher sei als die Heiligkeit, sodass Kühe, die keine Milch mehr geben und somit wertlos werden für den Halter sind, teilweise skrupellos in den Süden zum Verzehr verkauft werden!
Es gibt Seafood, und ich wage es in Indien, denn meine Erfahrungen im Süden waren bisher, dass es deutlich hygienischer zugeht als im Norden. Zumindest habe ich bisher noch nicht zusammen mit Ratten gespeist hier.
Ich freue mich schon morgen mehr von Kochi kennenzulernen.
«
 1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25 
»