Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten Urlaub in God's own Country God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaf
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19.04.2015
Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten
FR, 03.04.2015: Allepey-Munnar
Es ist nicht nur ein christlicher Feiertag (Karfreitag), sondern auch ein Hindu-Feiertag in Kerala.
Ich stehe bei Sonnenaufgang auf und gehe barfuß und im Nachthemd zum Wasser. Mir gelingt das letzte Foto des unbewegten Wassers des heutigen Tages, kurz darauf setzt wieder reger Bootsverkehr ein.
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Es steht die Fahrt nach Munnar an, den wohl letzten ruhigen Ort dieser Reise, dem wohl letzten etwas kühleren Ort dieser Reise.
Da ein hinduistischer Feiertag ist, sehen wir viele Vorbereitungen für Tempelfeste. Die wohl auffälligste Aktion ist das Entladen eines Tempelelefanten von einem LKW hierfür. Nicht nur für mich ist das etwas Besonderes, eine Menge Menschen stehen hier und beobachten das Schauspiel, wodurch der Verkehr wohl noch mehr aufgehalten wird als es sonst schon der Fall wäre.
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Aber auch die Christen sind hier nicht untätig: Den Choral, der die mir begegnende Prozession begleitet, erkenne ich nicht wieder, aber auch hier sind die Menschen anbetend, andächtig, mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen. Selbst die ganz Pietätlosen, die auch nun das Telefonieren nicht lassen können, decken das Telefon taktvoll mit der Hand ab...
Für meinen Geschmack dauert der Trip heute zu lange. Aber das ist nun nicht mehr zu ändern. Wäre es nicht um die absolut lohnenswerte Palastbeleuchtung in Mysore gegangen, hätte ich eventuell zu guter Letzt noch meine Pläne vor Reiseantritt geändert und hätte Udupi und Hassan ausgelassen und mit Mysore begonnen zugunsten von 1 bis 2 entspannenden Tagen mehr auf dem jetzigen Streckenabschnitt.
Unterwegs:
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Munnar ist eine Spice-Region, und so besichtige auch ich eine Gewürzplantage, die sich nicht sehr von denen in der Karibik im letzten Herbst unterscheidet. Immerhin wird mein Gepäck so noch ein bisschen schwerer wegen des Masala-Gewürzes für Tee und Kaffee.
Kurz vor Munnar beginnen die Teeplantagen, die ich so sehr mag. Ich steige an einem Punkt aus und stolpere direkt in einen verrosteten Stacheldraht, der in Höhe meines Schienbeines gespannt ist. Mist! Aber ich habe eine Tetanus-Impfung und ich habe Desinfektionsmittel und Pflaster dabei, wird schon gut gehen…
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Ich checke im Gruenberg Tea Plantation House ein, dessen Zimmer beispielsweise nach der Loreley benannt sind. Es ist ein sehr modernes und neues Hotel. Ich schlafe mit Blick auf Teeplantagen. Leider wird sich sicher auch hier schnell Patina auf all dem klaren und modernen Mobiliar ablegen, und diese passt nun einmal besser in Heritage Hotels. Aber noch ist alles supersauber und ich bekomme ein Upgrade auf ein Zimmer im obersten Geschoss, sodass ich vom Bett aus durch riesige Fenster, die man auch weit öffnen kann, auf die Teefelder sehen kann. Am liebsten würde ich hier bleiben. Hätte ich es mal gemacht. Hier ist es ruhig und friedlich.
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Doch wir fahren wieder los. Shekhar fährt mich in ein ebenso modernes, aber lautes und überfülltes Restaurant. Na gut, wenn es denn wenigstens schnell gehen würde. Aber das tut es auch nicht.
Shekhar fährt mich zu einem absolut nichtssagenden Stausee, an dem in dieser Honeymoonlocation die jungen Paare spazieren gehen, auch wenn es nicht wirklich idyllisch ist. Er lacht über ein Paar, das Händchen hält. Die sind maximal 2 Wochen verheiratet, in einem Jahr tun die das auch nicht mehr, meint er. Und er selbst? Nein, er habe mit seiner Frau ohnehin nie Händchen gehalten. Ich habe den Eindruck, darüber will er nun nicht so gerne sprechen und frage nicht weiter. Ich bin sehr gespannt, ob ich sie und seine Söhne im Alter von nun 10 und 15 Jahren in Mamallapuram kennenlernen werde.
Zu allem Übel ist es trüb und diesig, wolkig und es regnet auch noch ein paar Tropfen, wenn auch nicht viel.
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Mir fallen hier die vielen Tücher auf, die die Männer um die Hüften tragen: Sie tragen sie mal lang bis auf die Füße fallend, wickeln sie dann mit einer bestimmten Technik hoch, die ich nicht verstanden habe, um die Säume 10 Sekunden später wieder bis auf den Boden fallen zu lassen. Ich dachte immer, es seien Lungis, aber so heißen nur die karierten Tücher. Die weißen Tücher heißen Dhoti, und ein orangenes Dhoti zeigt, dass der Träger gerade Pilgeraufgaben wahrnimmt. Ich will auch sowas haben. Und ich wundere mich, dass die europäische Mode noch nicht den Rock im Dhoti-Style für die moderne europäische Frau entdeckt hat. Sollte ich es mal dem Herrn Lagerfeld stecken, was es hier so gibt?
Ich bin ganz froh, als ich wieder beim Hotel bin. Und nun schließt sich mein persönliches Highlight des heutigen Tages an: Ich gehe noch ein wenig durch die Teeplantagen spazieren. Auch wenn das im goldenen Abendlicht netter gewesen wäre, ist es sehr interessant: Ich werde von vielen hier angesprochen: Ein kleiner Junge nötigt seine ein wenig schüchternen Geschwister mich zu begrüßen, was sie nicht wollen. Der Opa steht derweil daneben und versucht mich zu fragen, woher ich komme. Eine Mutter führt mir ihren Säugling vor. Etwas später scheint ein Junge, der einkaufen war, förmlich auf mich zu warten. Woher ich komme, er gehe jetzt dort drüben hin zu seiner Familie, das da drüben sei ein tolles Hotel, guck mal das Wasser hier im Becken. Und ich stehe neben dem Jungen und schaue andächtig in das Betonbecken mit dem trüben Wasser, mit dem wohl der Tee gewässert wird.
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Kurz vor dem Sonnenuntergang werfe ich mich frisch geduscht bei weit geöffneten Fenstern und Balkontür auf mein bequemes Bett und sichte Fotos, während monotone hinduistische Gesänge von einem nahe gelegenen Tempel herüber schallen, die nach und nach von Dschungelgeräuschen abgelöst werden. Nachts sehe ich aus meinem Fenster Glühwürmchen im Gebüsch vor dem Hotel aufleuchten und bin hin und weg.
Mehr und mehr werde ich vom indischen Landleben in den Bann gezogen. Und mehr und mehr entdecke ich, wie beruhigend und ausgleichend die indische Spiritualität auf mich wirkt.
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