Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten Urlaub in God's own Country God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaf
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19.04.2015
Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten
SA, 04.04.2015: Munnar-Madurai
Heute ist nicht mein Tag, heute ist mein Chromebook abgeraucht.
Doch der Tag beginnt herrlich. Wir halten immer wieder an den Teefeldern, die wie die frisch geschnittenen Hecken des spießigsten Nachbarn, den man sich vorstellen kann, quasi rasiert sind. Ein herrlicher Ausblick jagt den anderen. So oft wie ich möchte,können wir gar nicht anhalten. Shekhar tut es dennoch wann immer ich auch nur das Leiseste 'Oooh' von mir gebe.
Gestern war Karfreitag. Heute wird wieder gearbeitet. Frauen rücken mit großen Säcken an und schon von weitem hört man das Ritsch-Ratsch der Schneidegeräte, mit dem der Tee geschnitten wird. Und ich dachte immer, Tee wird gepflückt...
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Hier herrscht das, was ich immer als indische Ruhe empfinde. Immer wieder steige ich aus und Shekhar fährt einige Meter weiter zu einem Punkt, an dem ich wieder in das Auto einsteige, zu dem ich fotografierend und schauend und die Atmosphäre einsaugend laufe. Immer wieder weht aus der Ferne indische Musik zu mir, und auch das Hupen der Autos in der Ferne schallt nur gedämpft herüber. Die Teeplantagen sind von Schatten spendenden Bäumen durchsetzt. Manchmal stehen Eukalyptusbäume am Straßenrand, dann liegt ein würziger Duft in der Luft.
Als wir an einem Aussichtspunkt halten und ich eine bemalte Absperrung fotografiere, wobei ich denke, da steht vielleicht 'Trinkt mehr frische Landmilch' oder 'Vorsicht, wer hier fällt, könnte dabei sterben', meint Shekhar, das seien politische Botschaften. Er berichtet über die Dalit, die seitens der indischen Politik mehr in die Gesellschaft integriert werden sollen, indem sie mit hohen Quoten in den öffentlichen Dienst aufgenommen werden trotz fehlender Qualifikation. Die dadurch insgesamt entstehende Unzufriedenheit erinnert mich an die Pegida-Diskussionen in Deutschland. Und überhaupt begegnen einem in Indien ab und zu Menschen, die die Meinung offen vertreten, dass Hitler doch nicht schlecht gewesen sei.
Irgendwann gibt es keine Teeplantagen mehr. Stattdessen gibt es wieder die normale Vegetation. Das bedeutet hier, dass der Weg teilweise von übermannshohen Hecken aus Trompetenblumen gesäumt ist.
Wir überqueren die Grenze nach Tamil Nadu und plötzlich wird mit dem Grenzübertritt die Landschaft langweilig. Es wird flach und heiß.
Weil die Fotos von einem Reisetag größtenteils verloren gegangen sind, halten wir nochmals an einer Ziegelei. Und überhaupt gibt es in Tamil Nadu vieles zu besichtigen, was einem am Rande begegnet.
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Ich alleine wäre mit Sicherheit nicht darauf gekommen an so vielen Situationen anzuhalten. So kommen wir an einer Prozession vorbei, bei der laut Musik gespielt wird vorne weg wird ein kleines Kind getragen. Dieses Kind wird heute mindestens ein Jahr alt, es bekommt den Kopf geschoren und Ohrlöcher gestochen. Meinem Eindruck nach ist dieses Ritual vergleichbar mit der Taufe im christlichen Glauben. Mädchen bekommen dann mit 15 oder -6 Jahren noch einen Stecker in die Nase und können ab sofort geheiratet werden. Dass sie vergeben sind, sieht man dann an den silbernen Ringen an den Zehen.
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An einer anderen Stelle fällt wieder laute Musik auf. Wir halten wieder an, ich steige aus und Shekhar sagt mir noch fix, ich solle schnell machen, das sei eine Beerdigung. Habe ich mich verhört bei der Bombenstimmung hier? Ich kann es kaum glauben, dass ich von den lustig tanzenden Menschen eingeladen werde mich dazu zu setzen oder mit zu tanzen während im Hintergrund die Bahre mit dem oder der über und über mit Blumen geschmückten Toten liegt.
Zumindest kann Shekhar kann mir nicht erklären weshalb hier so offensichtlich fröhlich gesungen und getanzt wird. Ich verstehe Indien mal wieder nicht. Aber letztlich werden ja auch in New Orleans Beerdigungen von Jazzmusik begleitet, warum also nicht?
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Zum Mittag gibt es wieder mal Thali. Ich esse es mit dem Löffel. Mit den Fingern zu essen ist mir zu anstrengend, auch wenn es stilecht wäre. Ich finde, ein solches Lokal wäre mal eine gute Geschäftsidee, die allerdings sicher nur in einer Großstadt wie Berlin laufen würde. Hier bekommt jeder ein frisches Bananenblatt vorgelegt. Dieses wird gereinigt. Dann laufen Kellner mit großen Schüsseln voller Reis und Beilagen herum und häufen dem Gast so viel davon auf den Teller, äääähhh das Bananenblatt, wie er möchte. Als Zeichen, dass man fertig ist, faltet man das Blatt wieder. Faltet man die Oberseite nach innen, war es gut. Faltet man sie nach außen, hat es nicht geschmeckt. Bei uns liegt die Oberseite innen.
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Und nun sind wir auch schon am Hotel. Meine Rechnung, noch 3 Stunden am Pool zu verbringen, bevor es losgeht zum Tempel, geht leider nicht auf. Es scheitert an einer zumindest halbstündigen Eincheckzeremonie. Ich bin sauer!
Noch saurer werde ich, als ich anschließend im Zimmer feststelle, dass mein Chromebook keinen Ton mehr von sich gibt, wirklich keinen einzigen Ton und auch kein Licht geht an.
Heute scheint nicht mein Tag zu sein. Wir wollen gegen 16:30 Uhr losfahren zu einer Tempel-Schule, in der Priester ausgebildet werden. Nur leider gibt es heute eine partielle Mondfinsternis, sodass während dieser Zeit die Tempel geschlossen sind und danach gereinigt werden müssen, sodass diese erst um 20:00 Uhr wieder öffnen. Die Mondfinsternis ist bestimmt auch am plötzlichen Verbleichen des Chromebooks schuld, hätte ich es mal nicht ausgerechnet zu dieser Tageszeit eingeschaltet!
Und so stehen wir vor verschlossenen Türen, als ich feststelle, dass das Chromebook möglicherweise noch die Speicherkarte zerstört hat. Na klasse! Da können selbst die Jasminblüten, die Shekhar mir wieder mitbringt, nicht viel helfen. Oder doch? Ich versuche es im Auto noch mal und zumindest die Bilder von heute scheinen gerettet zu sein.
Wir fahren in die Innenstadt zum großen Tempel. Auch dieser ist natürlich geschlossen. Dennoch ist dieses eventuell sogar ein Glück, denn es sind bei weitem nicht so viele Menschen unterwegs, wie hier im Allgemeinen zu erwarten sind. Ich sehe mich ein wenig um.
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Hiermit wird um die Ehe und um Kindersegen gebeten:
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Um als Verlegenheitslösung um den Tag noch ein wenig zu nutzen, sehe ich mir die Lightshow im Palast an, zu der die Geschichte Madurais erzählt wird.
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Und nun wünschte ich, dass die Prophezeiung von Shekhar hier zutreffen würde. Er meint, ich solle nach der Sonnenfinsternis als Reinigungszeremonie duschen oder mir Wasser über das Haar sprengen, dann würde Vishnu schon dafür sorgen, dass das Chromebook wieder läuft. Leider hat er hiermit nicht Recht behalten. Erst in Deutschland springt das Chromebook wieder an, nachdem es ein wenig zur Ruhe gekommen ist.
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