Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten Urlaub in God's own Country God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaf
Reisen, Urlaub, Ferien Bewertung wird geladen...
19.04.2015
Good Karma-Masala und der Duft von Jasminblüten
MO, 06.04.2015: Madurai-Trichy-Thanjore
Wusstet ihr schon, dass Tempelelefanten im Gegensatz zu den Menschen hier einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von vier Wochen im Jahr haben? Dann fahren sie mit ihrem Mahut in ein Wildreservat und dürfen quasi ganz Elefant sein und sich erholen. Tempelelefanten haben nämlich viel zu tun, wovon ich mich heute wieder überzeugen durfte.
Wir fahren über Trichy nach Tanjore. In Trichy gibt es zwei Tempelanlagen. Eine davon liegt auf einem Berg und ist dort nur zu Fuß zu erreichen. Diese erspart Shekhar mir.
Dafür geht es an eine Stelle am heiligen Cauvery River, an der sich täglich bis zu 100 Priester verdingen, indem sie Pujas für und gegen alles anbieten, dafür, dass der Betreffende bald eine Frau findet oder für verschiedene Riten, die nach dem Tod eines Angehörigen fällig sind (man beachte auf dem Bild die Nummerierung der Priesterplätze...) Ich grinse albern, muss irgendwie an die Loriot-Sketche denken: 'Brauchen Sie zufällig noch einen Weihnachtsmann?'
Shekhar erklärt mir einiges. Heute ist wohl verhältnismäßig wenig los.
DSC05558.JPG
Zunächst gehe ich zum Wasser. Das behagt mit nicht, weil es schon lange kein Fluss mehr ist, sondern ein trüber Teich, in dem allerlei Unrat neben Opfergaben liegt. Fische scheinen sich hier immerhin noch wohl zu fühlen, sie üben sich nicht im Rückenschwimmen. Niemanden hindert das am Bad.
DSC05559.JPG DSC05569.JPG DSC05571.JPG
Der Elefant kommt gerade frisch geduscht zurück, und neben seinem Frühstück und verschiedenen Leckereien, die die Gläubigen ihm zustecken, erwarten ihn schon wieder die nächsten Jobs. So muss er ein widerwilliges weinendes Kind segnen durch einen Rüsselstups auf den Kopf und muss einen Gläubigen segnen, indem er ihn mit Wasser vollprustet. Dann darf er weiter frühstücken...
DSC05587.JPG
Ich beobachte eine Zeremonie, bei der der Sohn einer vor wohl etwa 2 Wochen Verstorbenen und seine Famile unter Anleitung des Priesters eine Zeremonie absolvieren. So werden Münzen und Reis auf einen Teller gegeben, der Sohn trägt einen Wasserkrug um den Teller herum, der zuvor angeschlagen wurde, und das auslaufende Wasser wird auf den Teller mit Reis und Geld gesprengt.
DSC05590.JPG
Eine Mutter wünscht sich eine Frau für ihren Sohn. Das sieht man an einer Bananenpflanze, die sie zu ihrer Puja mitgebracht haben.
DSC05582.JPG
Bei Allem darf ich zusehen und fotografieren, niemand schickt mich weg oder verbittet sich das Fotografieren. Ich muss auch niemandem etwas zahlen... Steht übrigens nicht in meinem Reiseführer, dieser Ort...
Als nächstes geht es zum Sriranganatha Swami Tempel. Er ist innen wohltuend farbenarm, außen umso prächtiger, was ich leider nur erahnen kann, da hier ziemlich viel gebaut, renoviert und saniert wird, sodass auch die Türme mit Plane verhängt sind.
Was ich an Hindutempeln so mag: In ihnen wird gelebt. Da liegen Leute und schlafen, es gibt etwas zu Essen zu kaufen oder sogar kostenfrei. Beten kann man freilich auch.
DSC05600.JPG
In diesem Tempel gibt es eine Stelle, auf die man sich stellen kann um von ihr aus unter Verrenkungen die Tür zum Paradies zu erspähen. Gelingt das, geht man nach dem Tod direkt ins Paradies. Ich bilde mir ein, zumindest einen schmalen Rand der gelben Tür erspäht zu haben, habe also gute Chancen. Ob der indirekte Blick mit dem Handy an einem Selfie-Stick wohl auch gelten würde?
DSC05596.JPG
Nach dem Einchecken ins ordentliche Hotel Lakshmi gibt es erst einmal eine kurze Pause, bevor es dann im Nachmittagslicht zum Palast und zum nächsten Tempel geht.
Im Palast gibt es nicht soooo viel zu sehen: Die Palmblattbibliothek darf man nicht fotografieren, den verblichenen bunten Prunksaal schon.
DSC05609.JPG DSC05614.JPG DSC05629.JPG DSC05625.JPG DSC05631.JPG
Am Tempel angekommen, sitze ich eine ganze Weile an verschiedenen Stellen um den in der Abendsonne strahlenden Sandstein zu betrachten. Es ist nicht viel los, und ich sitze lange hier, auf Mauern, auf Treppenstufen, auf einer Wiese vor der Tempelanlage und entspanne mich total.
DSC05603.JPG DSC05639.JPG DSC05641.JPG DSC05644.JPG DSC05649.JPG
Shekhar ist echt ein Schatz, heute überrascht er mich mit frischen Mangos. Die sonst üblichen Jasminblüten fürs Haar muss ich mir allerdings heute selbst kaufen am Tempel, und ich ziehe eine Menge Blicke, Bemerkungen und Lachen indischer Besucher auf mich, als die Verkäuferin mich auffordert mich zu setzen und mir die Blüten gleich in den Zopf zaubert. Macht viel mehr her als wenn ich es selbst mache!
Ich mache mich zu Fuß auf den Rückweg, mitten in der Rush Hour. So manches Mal rettet ein Inder mir das Leben, in dessen Windschatten ich fast schon bei Dunkelheit die Straße überquere. Ich suche mir immer Leute heraus, bei denen aufgrund ihres Alters die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie das schon mehrfach unverletzt geschafft haben.
Abends im Hotelrestaurant: Auf meine Frage, ob ich bitte ein Messer und einen Teller mitnehmen darf für die Mangos, wird mir erklärt, dass es mir aufs Zimmer gebracht wird. Selbst mitnehmen darf ich es nicht, sondern muss brav im Zimmer warten. Nur kurz überlege ich, mir beides einfach von einem der Tische zu schnappen und beschließe dann, mich zu benehmen, wie man es von mir erwartet.
«
 1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25 
»