Incredible India - meine neue, große, bunte, aufregende Liebe Madam, your car is ready for you now! Ein wenig orientierungslos laufe ich durch die Reiseführerabteilung des Hugendubel und überlege, was es abends zu essen geben könnte. Kochen? Nee, zu müde. Also was bestellen. Aber was? Oder gehst du doch noch schnell ein paar Zutaten für Spaghetti Aglio
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10.11.2013
Incredible India - meine neue, große, bunte, aufregende Liebe
FR/SA, 11. und 12.10.2013: Erfurt to Delhi
Es ist Freitag. Den ganzen Tag regnet es wie aus Eimern. Und kalt ist es auch. Dass ich nicht den goldenen Oktober verlassen muss, sondern Deutschland bei Herbstwetter der übelsten Sorte den Rücken kehren darf, empfinde ich wieder mal als einen der vielen Zufälle, die diese Reise schon vor Beginn prägen und nicht als schlechtes Omen.
Ebenso empfinde ich es im Nachhinein als einen netten Zufall, dass das von mir angerufene Erfurter Taxiunternehmen keine Zeit hat mich zum Bahnhof zu bringen: ("Junge Frau, was glauben Sie denn? Es rääääschnet, wir haben zu tun, die Leute wollen alle zum Friseur. Das kann ich Ihnen nicht versprechen, dass wir Sie um 15 Uhr abholen können.") So ein Glück, ansonsten hätte ich sicher keinen Schirm mitgenommen und wäre noch einige Male bis auf die Haut nass geworden heute.
Ich mag den Flughafen Leipzig: Klein, übersichtlich, Einchecken geht schnell. Könnte man nun tatsächlich schon mit dem ICE direkt von Erfurt nach Leipzig fahren, wäre es sicher mein Lieblingsflughafen. Und nach dem schon heute Morgen durchgeführten Online Check In war nun auch das Gepäck schon unterwegs.
In Leipzig gibt es ein erschwingliches Hotel und eine Kneipe mit Chili con Carne, Quarkkäulchen und etwas lasche Cocktails und relativ früh zwinge ich mich ins Bett. Um 5 Uhr ist schließlich die Nacht rum.
Samstag früh um 6 Uhr stehe ich am Bahnhof, viel zu früh, denn der Zug geht erst um 6.21 Uhr. Viel zu früh? Beim Fahrkartenkauf habe ich es noch für einen Fehler im System gehalten. Den Zug um 6.21 Uhr gibt es nicht. Am Gleis angekommen, schwant mir Schreckliches. Schienenersatzverkehr um 6.07 Uhr. Nun aber schnell raus, da steht der Bus, also wieder mal ein Zufall mit gutem Ausgang. Die Schienenersatzverkehrbegleiterin auf meine Frage, wie ich denn nun zum Flughafen komme, antwortet und fügt ein wenig patzig hinzu, so sei das nun mal mit Schienenersatzverkehr. Aber kann man so etwas nicht von Beginn an klar und deutlich ausschildern, die Fahrplanänderung in den Fahrplan aufnehmen und den unwissenden Normalerweisenichtbahnkunden freundlich antworten?
Am Flughafen Frankfurt Treffen mit Tanja und opulentes Frühstück bei Käfer, anschließend ein dekadentes Glas Prosecco um 12 Uhr. Na ja, man soll sich ja früh auf die Zeitumstellung vorbereiten und in Delhi ist es schon 15.30 Uhr.
Das Boarding beginnt pünktlich, der Flieger hebt pünktlich ab und soll sogar schon 15 Minuten vor der offiziellen Ankunftszeit in Delhi landen. Und so ein Glück. Sind bei LH plötzlich auch für Otto-Normal-Kunden ohne Kinder Plätze vor der Wand buchbar? Sollte eigentlich eine andere Maschine fliegen und diese ist es geworden oder habe ich meine geschickte Sitzreservierung schon vergessen? Jedenfalls habe ich einen Platz, bei dem man manchmal die Füße etwas hochlegen kann und ohne Vordermann, der mir seine Haare auf das Tablett schütteln kann.
Neben mir auf der anderen Seite des Ganges (also des Ganges im Flugzeug, nicht des Flusses, das muss ich in diesem Reisebericht sicher noch öfter klarstellen) übrigens ein Inder mit einem Stoffarmband mit Hakenkreuzen um das Handgelenk. Ich schätze aber, dass mir umgekehrt ähnliche Faux pas in den nächsten drei Wochen auch passieren werden. Ich lehne mich entspannt zurück und warte auf das indische Essen, das gerade angekündigt wurde.
Auf dem Flug gibt es nur indisches oder zumindest indisch anmutendes Essen, außerdem zwei indische Stewardessen. Ich glaube, kein Bewohner des Subkontinents sollte sich beschweren können. Ich bekomme die ersten Saris zu sehen und in meiner Nähe sitzt auch ein Mann, der an meinen Mathelehrer aus der Oberstufe erinnert, allerdings in einem Hare Krishna Gewand, sodass ich vermute, sein Ziel ist ein Ashram.
So schnell wie in Indien bin ich in so manchem USA-Urlaub noch nicht eingereist trotz ähnlicher Fragen auf einem Einreiseformular, die ich alle irgendwie schon im Visumsantrag beantwortet habe. Und entgegen aller Unkereien wird mir auch weder mein Koffer entrissen, noch ein Taxi aufgenötigt.
Und all meine Sorge fällt von mir ab, als ich den Fahrer mit dem Schild begrüßen kann, das sich schon rein farblich abhebt von denen, die die anderen haben. Ein Beispiel, wie es auszusehen hat, habe ich zuvor per Mail bekommen, außerdem den Namen des Fahrers und seine Telefonnummer. Noch schnell den Chef Ashok anrufen, der mich herzlich in Indien willkommen heißt und ab geht es mit Anil in die Stadt.
Die Frontscheibe des Autos ist gesprungen. Da hat ein Affe einen Stein drauf fallen lassen. Ich zeige ihm meine Uhr. Heute morgen habe ich gemerkt, dass das Glas ebenfalls gesprungen ist, war aber kein Affe, sondern höchstwahrscheinlich ich selbst. Ich entscheide mich neben Anil statt hinten sitzen zu wollen. Als es losgeht, schlängelt Anil das Auto beherzt, aber sicher durch die Straßen.
Und nein, man wird nicht an allen Ecken und Enden belagert, der Flughafen ist hochmodern und bietet zum Glück einen ATM, der allerdings nur maximal 10.000 Rupies ausspucken will (etwa 120 Euro). Die Straßen sind nachts frei und Anil ist nicht nur ein sympathischer Mensch, er spricht auch ausreichend Englisch, hat Humor und ist äußerst fürsorglich. Na ja, der Blumen zur Begrüßung hätte es allerdings nicht bedurft, zumal die äußerst unpraktisch sind auf Reisen. Ich freue mich aber selbstverständlich angemessen.
Nun ist es hier schon etwa 2 Uhr nachts und so fühle ich mich auch, als ich im ordentlichen Mittelklasse-Hotel City Star einchecke, das in der Nähe des Bahnhofs im Stadtviertel Pahar Ganj liegt. Es dauert noch eine Weile bis ich schlafen kann, schließlich war der Tag aufregend. Aber nach einer Dusche und noch einem halben Liter Wasser lege ich mich nach einer "ich bin gut angekommen"-Mail an die Lieben daheim ins Bett mit dem guten Gefühl einen Fahrer an meiner Seite zu haben, bei dem ich mich sicher und gut aufgehoben fühlen kann und der mir ermöglichen wird, mich im Urlaub entspannt und unkompliziert auf das Land einlassen und konzentrieren zu können.
Und morgen geht es los auf diese Tour:
Anschließend noch per Flug 3 Tage nach Varanasi und zum Abschluss noch 2 Tage nach Delhi. Das ursprünglich zwischen Udaipur und Ranakpur noch geplante Mt. Abu habe ich zugunsten einer "Entschleunigung" weggelassen.
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