Incredible India - meine neue, große, bunte, aufregende Liebe Madam, your car is ready for you now! Ein wenig orientierungslos laufe ich durch die Reiseführerabteilung des Hugendubel und überlege, was es abends zu essen geben könnte. Kochen? Nee, zu müde. Also was bestellen. Aber was? Oder gehst du doch noch schnell ein paar Zutaten für Spaghetti Aglio
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10.11.2013
Incredible India - meine neue, große, bunte, aufregende Liebe
SO, 20.10.: Jaisalmer to Jodhpur
Heute haben meine neue Liebe Indien und ich den ersten Beziehungsstress. Eine Flaute statt Flow tritt ein. Heute mutiere ich zu dem Typ von Indientouristen, der ich nicht sein will: nörgelig, missgelaunt und misstrauisch.
Zunächst fahren wir durch karges Land nach Jodhpur. Das dauert schon einige Stunden. Ich langweile mich fast. Jodhpur, die blaue Stadt, sei so schön, habe ich gehört und gelesen. Also bin ich gespannt, was mich erwartet.
Als wir uns nähern, überkommen mich da Zweifel. Stickig, voll, schlechte Straßen. Na ja, vielleicht ist die Altstadt da ja anders.
Schön ist allerdings das Fort anzusehen. Riesig ist es und imposant auf einer Anhöhe gelegen, scheint die gesamte Breite der Stadt einzunehmen.
Die vielen Leute und der Lärm nerven mich heute. Zum Glück gibt es hier keine Guides und keine aufdringlichen Verkäufer. Aber ich brauche dringend Rupies und finde im Fort eine Wechselstube, wo es irgendwann im etwa 12. Ansatz gelingt mir gegen Kreditkarte einen Stapel Scheine auf den Tisch zu zählen.
In der gesamten Anlage finden überall Tanz- und Musikvorführungen statt. Die sehen toll aus und sind im Gegensatz zum Culture program gestern mitreißend, sodass eine Menge der Besucher sich in die Reihen der tanzenden Männer einreihen und dem Rhythmus der Musik folgen.
Der Palast ist prunkvoll ausgestattet und bietet tolle Blicke auf die blaue Stadt und das Fort. Nicht zum ersten Mal denke ich, dass die Alhambra, um die in Spanien so viel Wirbel gemacht wird, sich hinter dem allen hier nur verstecken kann.
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Auf der Weiterfahrt:
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Wir fahren weiter, kommen in der Altstadt an. Diese wirkt düster, voll und dreckig, und irgendwie fallen mir heute besonders die überall existierenden Urinale ins Auge, also im Grunde für das Pinkeln freigegebene Nischen an der Straße, die selbstverständlich nur von Männern genutzt werden. Irgendwie scheint plötzlich kein Hotel mehr frei zu sein außer dem unappetitlich wirkenden Hotel Haveli, wie Anil mir bedauernd mitteilt.
Der Mülleimer dreckiger als meiner zu Hause. Als ich das Zimmer ansehe, ist es noch nicht fertig. Das Zimmer fertig zu machen bedeutet offenbar mit viel Aufwand die Tagesdecke auf das Bett zu drapieren. Darauf, dass dazu noch ein wenig Bettwäsche gehört, muss ich erst hinweisen. Das Bad wird von den Boys keines Blickes gewürdigt. Zum Glück liegt darin noch ein sauberes Handtuch. Das, was man mir hinlegt, starrt nämlich vor Dreck. Zum ersten Mal brauche ich etwas von der vielen Sonderausstattung, die ich mitgenommen habe, nämlich meinen Seidenschlafsack und ein Desinfektionsspray. Und soooo günstig ist es eben auch nicht. Für nur unwesentlich mehr Geld habe ich selbst gebucht in Delhi tausendmal besser geschlafen. Bei den Preisen hier wäre es mir völlig wurscht gewesen, ob das Hotel vielleicht das Doppelte kostet, wenn es dafür auch doppelt so gut ist.
Es ist super hellhörig, denn irgendwie ist eine Art Luftloch zum Flur und außerdem eins zwischen dem Bad und einem Schacht, der durch das gesamte Hotel nach oben führt, nur mit einem Drahtnetz versehen. Die Fenster sind aus Plastik und lassen den Straßenlärm durch.
Dieses Hotel scheint Anils zweite Empfehlung zu sein, nachdem das ursprünglich vorgeschlagene Hotel voll ist. Es gibt aber durchaus noch andere Hotels. Sind also tatsächlich alle anderen Hotels voll und dieses Dreckloch tatsächlich die beste Wahl aus der kaum noch vorhandenen Auswahl? Oder ist es seine Angst mein Geld zu verschwenden? Warum habe ich dumme Gans nicht darauf bestanden, dass er mir noch etwas anderes zeigt?
Bei Essen und Bier auf der Dachterrasse entspanne ich mich ein wenig, aber irgendwie nur ein wenig. Der Tag heute hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack. Heute fühle ich mich ein wenig enttäuscht von meiner neuen Liebe Indien, die ich ja noch so gar nicht einschätzen kann, als ob man bei einem neuen Lover plötzlich bemerkt, dass die große Liebe heimlich Drogen nimmt.
Ich hoffe nur, dass die Stadt und das Land den Eindruck morgen wieder geraderücken können.
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