25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014 Die Mauer muss weg... Ja, ich gebe zu, auch ein viertel Jahrhundert nach der Wende und nach fast 20 Jahren, die seit meiner eigenen Umsiedelung hinter den ex-eisernen Vorhang vergangen sind, habe ich mich niemals groß um die Nachbarn im Osten geschert. Prag kenne ich, da war ich zu Chemnitz-Zeit
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23.06.2014
25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
MO, 16.6.2014: Slowinski Nationalpark
Wieder acht Stunden Schlaf gehabt, perfekt!
Im Hotel gibt es ein tolles Frühstück, toll allerdings wohl vor allem für diejenigen, die Fisch und Fleisch schon morgens mögen. Aber es gibt auch Kuchen und Obst und Baguette mit Käse, Rührei und allerlei Salate, die mit meiner morgendlichen Aversion gegen zu viel Rohkost und zu viel Fleisch konform sind.
Überhaupt kann ich die Villa Sedan absolut empfehlen: Total schnuckeliges Hotel in einer alten Villa, gut in Schuss, super zentral, super freundlich, geschmackvoll. Einzig und allein: hellhörig ist das Haus, sodass man beispielsweise die alten Holzböden quietschen hört, wenn der Mensch im Nebenzimmer auf und ab geht. Und sehr klein sind die Zimmer. In meinem Doppelzimmer zur Einzelnutzung müsste Gast Nr. 2 im Bad sein oder regungslos im Bett liegen, wenn Gast Nr. 1 im Zimmer in Aktion ist.
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Ich will heute in den Slowinski Nationalpark fahren, der ist zwei Stunden Fahrt entfernt. Hier gibt es riesige Wanderdünen zu betrachten.
Die Navi leitet mich sicher hin, und auch hier gibt es einen großen, bewachten Parkplatz. Und übrigens kostet der Eintritt nur 6 Zloty (1,5 Euro) und Parken 2,5 Zloty für die begonnene halbe Stunde. Von wegen Nationalparkpass für 80 USD oder 20 USD Einzeleintritt wie in den USA *grins*
Dank Idefix muss ich die 5,6 Kilometer zu den Dünen nicht zu Fuß, mit dem Elektrokarren oder einem Leihfahrrad zurücklegen, und wieder erntet der kleine Kerl jede Menge Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auf der halben Stunde Hinrollern überhole ich wieder etliche Schulklassen. Finde ich übrigens gut, dass die Klassen hier alle immer eine Art Erkennungszeichen haben, alle haben jeweils rote Kappen, blaue Kappen, gelbe Halstücher oder grüne Rucksäcke, sodass die Lehrer immer genau wissen, worauf sie beim Zählen schauen müssen und verlorene Schäfchen ihre Gruppe schnell wiederfinden.
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Die Dünen sind riesig, und das Hochstapfen ist anstrengend..Na gut, ist bestimmt gut für die Waden.
Die Kids machen sich einen Spaß draus mit einem Affenzahn die Dünen kreischend herunterzurennen oder seitlich zu rollen.
Hier sieht man Bäume, die von den Dünen erstickt wurden und nur noch vertrocknet herausragen. Die Dünen wandern je nach Wind um bis zu 10 Meter pro Jahr.
Ich stapfe bis zur Ostsee und laufe hier ein paar Minuten herum. Dann trete ich den Rückweg an, zuerst zu Fuß durch den Sand, dann von den Fahrradständern aus mit Idefix.
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Es ist noch früh, und in Zoppot habe ich morgen noch einen ganzen Tag. Also möchte ich sehen, wie es auf der Halbinsel Hel so aussieht, eine sehr lange, sehr schmale Landzunge, auf die so gerade eben eine Straße, eine Bahnlinie und ein viel genutzter Radweg nebeneinander passen. Ich nehme also sozusagen den "Highway to Hel", auf dem ich auch glatt geblitzt werde. Ist das schon das Höllenfeuer? Bin gespannt, ob etwas bei mir ankommt und was das kostet, seufz!
Hier finde ich einen Parkplatz und muss mich zwischen dem begrünten Ufer zur Landseite und dem Strand auf der Seeseite entscheiden. Ich nehme natürlich die Seeseite, auch wenn es hier natürlich windiger ist. Es ist aber trotzdem gerade warm genug um im Sommerkleid nicht zu frieren. Ich ruhe mich ein wenig in der Sonne aus und lasse mich vom Rauschen des Windes und der See einlullen. Na, wenn das "the hel" ist, dann bleibe ich noch ein bisschen.
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Das nächste Mal will ich eigentlich nur für ein Foto halten in einem winzigen Ort, der trotz der schmalen Insel eine Kirche hat, na ja, das muss hier so sein. Jedenfalls bietet der Ort eine bessere Aussicht auf das Ufer zur Landseite.
Allerdings gibt es hier ein nett aussehendes Ausflugslokal, und ich habe wahnsinnig Kohldampf. Hier bestellt man drin und sucht sich aus, was man will. Mir wird Heilbutt empfohlen und ich entscheide mich für die empfohlenen Kartoffelpuffer und zwei Salate aus der Salattheke als Beilage. Ich sitze an einem Tisch in einer sonnigen und windgeschützten Ecke und harre der Dinge, die da kommen.
Und was da kommt, ist sehr gut: Ein imposantes Stück butterweicher Fisch mit Kräuterbutter mit einem Berg der bestellten Beilagen. Das alles auf Plastiktellern, aber irgendwie cool. Das sind doch die Momente, von denen ein guter Urlaub lebt, nicht unbedingt in jedem Fall das im Reiseführer angepriesene Highlight.
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Ich habe es fast geahnt, und genau so kam es. Nach dem unerwartet schönen relaxten Aufenthalt kann der Ort Hel selbst am Ende der Landzunge nicht mehr viel bieten. Man fährt auch zunächst an etwas bedrückend wirkendem militärischen Gelände vorbei, wo bei Androhung des Abschleppens Halteverbot herrscht. Und Hel selbst erfüllt mir nun endlich das in meinen stumpfen Vorurteilen gestrickte Bild eines polnischen abgelegenen Küstenortes: Ein sehr nüchterner Hafen, Zweckgebäude aus längst vergangenen Zeiten, irgendwie nun für "Modernes" wie Fitnessstudios genutzt, dazwischen wackelige Buden, die Essbares und Billigkitsch anbieten.
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Der Ort versucht sich aufzuwerten mit Seehunden, die hier in einem kleinen traurigen Becken aus Beton gehalten werden. So traurig wie das Becken selbst wirken auch die Tiere, eines schnarcht vor sich hin.
Ich sehe zu, dass ich zurück komme und nehme in Zoppot noch in einem Pub nahe des Hotels einen Cocktail zu mir.
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