25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014 Die Mauer muss weg... Ja, ich gebe zu, auch ein viertel Jahrhundert nach der Wende und nach fast 20 Jahren, die seit meiner eigenen Umsiedelung hinter den ex-eisernen Vorhang vergangen sind, habe ich mich niemals groß um die Nachbarn im Osten geschert. Prag kenne ich, da war ich zu Chemnitz-Zeit
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23.06.2014
25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
SA, 7.6.2014: Beginn in Breslau
Eigentlich geht es heute erst los, und weil ich 2 Stunden gespart habe, darf ich etwas trödeln und muss nicht, wie ursprünglich geplant, um 8 Uhr im Auto sitzen.
Und übrigens, wo wir uns nun der Grenze nähern: Ich habe bisher nur die deutschen Namen der Städte benutzt, ganz einfach deshalb, weil sie mir geläufiger sind. Warum sind sie mir geläufiger? Als Kind habe ich in der Kolberger Straße in meinem Heimatort gewohnt, da waren die Danziger Straße, Stettiner Straße, Breslauer Straße usw. nicht weit weg. In der Tagesschau wurden Nachrichten aus Polen immer unter Nennung der Hauptstadt Warschau eingeleitet, und die Oma sprach immer von Neidenburg und Gregersdorf, und erst, als sie schon lange dort weg war, wurden die Orte umbenannt.
Ist es politisch korrekt es so zu halten? Google bejaht die Frage bedingt: Man darf die alten deutschen Namen benutzen, solange sie keine Zwangsumbenennungen polnischer Städte aus der Nazizeit sind. Und selbst auf polnischen Websites werden die deutschen Namen bekannter Städte zumindest mit erwähnt. Andere Stimmen sagen, man solle aus Respekt dem Land gegenüber die polnischen Namen benutzen, die deutsche Zeit hier sei schon lange vorbei. Und dann wieder sagen andere, man solle es doch so halten wie man wolle, beides sei eben geläufig, da solle man keine große Geschichte draus machen, gerade weil es schon so lange her ist. Schließlich benutzten auch die Polen für die Städte in Deutschland die polnischen Namen. Der jetzigen Generation könne man sicher keinen Vorwurf des Verhaftetseins in der Vergangenheit machen.
Also benutze ich nun einfach die Namen, die ich kenne und versichere, dass es keinerlei politischen oder ideologischen Hintergrund hat. Und Orte, die sich mir gleich unter polnischem Namen vorgestellt haben, heißen für mich eben polnisch. Egal, wenn es dadurch ein bisschen bunt durcheinander geht wie in der Geschichte Polens ja schließlich auch.
Die 2,5 Stunden nach Breslau sind schnell herum. Den Grenzübergang bemerkt man kaum. Dzien dobry, Polska, nun bin ich hier.
Tanken erstmalig in Polen geht wie in Deutschland ohne solches Brimborium wie in den USA mit prepaid usw. Und einen ATM gibt es hier auch, der für den Anfang 500 Zloty ausspuckt, für einen Euro bekommt man etwa 4 Zloty.
Breslau bringt Bekanntes: IKEA, Toys 'r us, Media Markt, Decathlon und mehr ballen sich an der Ausfahrt zu einem der üblichen Einkaufszonen vor den Toren der Stadt zusammen.
Die Navi leitet mich zum zentralen Mercure direkt neben einer der üblichen innerstädtischen Shopping Malls und ich darf schon vor 13 Uhr einchecken. Ein ziemlich typisches Mercure: Nichts Besonderes, nicht charming, aber solider Standard, alles sauber und nett und das für nur 50?.
Ich ziehe los und erwarte nicht viel, aber die Stadt ist nach anfänglich tatsächlich noch etwas sozialistischem Flair im Inneren sehr hübsch. Der Rynek, den es wohl in allen polnischen Städten gibt, zeigt ein kunterbuntes Gewusel, hier ist Frühlingsfest und zusätzlich wird mit zahlreichen Markstständen gerade Europa geehrt. Spirituosen aus der gesamten EU und Speisen tragen zum Wohlbefinden bei. Breslau hat bei mir aber völlig gewonnen, als ich tatsächlich einen Cinnabon entdecke und man mir dort eine original USA-Cinnamonroll verkauft. Ich werde die Entgleisung über den Atlantik abends mit typisch polnischen Piroggen wieder gut machen, versprochen!
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Mit noch etwas klebrigen Fingern löse ich mein Ticket für mein heutiges Fitnessprogramm und steige 83 Meter auf den Turm der Elisabeth-Kirche, von der aus ich einen tollen Überblick über die Stadt gewinne.
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Ich wurschtel mich durch zum eher barocken Universitätsviertel. Das moderne Uni-Gebäude zieht ob seiner Hässlichkeit Blicke an, aber irgendwie scheint es nicht mehr in Betrieb zu sein. Das nahe altehrwürdige Unigebäude hingegen ist wunderschön. Die daneben liegende barocke Kirche ist ebenfalls hübsch.
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In der Stadt leben überall kleine Zwerge, nur so etwa 30 cm groß. Einige von ihnen habe ich entdeckt.
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Ich spaziere auf die andere Seite der Oder und durch den dortigen Park. Ziel ist das Panorama Raclawicka, ein wohl bombastisches Gemälde, das in einem hässlichen runden Betonbau untergebracht ist. Auf dieses sind die Breslauer sehr stolz, und es gibt keine Karte mehr für heute. Na, macht nichts, so wild bin ich bei der schönen Sonne gar nicht darauf mich ehrfürchtig vor einen Ölschinken zu stellen, der langatmig erklärt wird. Lieber sitze ich ein wenig an der Oder herum und sehe mir die vorbeispazierenden Leute an.
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Ich bin wieder ganz in der Nähe des Hotels und gehe ein wenig ins Zimmer um mich auszuruhen.
Abends ziehen Idefix und ich nochmals los. Er gibt mir die Chance einiges von Breslau zu sehen, man kann eben mal schnell noch ein paar Meter weiter rollern und mal um die nächste Ecke schauen auch bei Wegen, die zu Fuß zu lange dauern würden.
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Am Rynek steppt der Bär. Die Kneipen und Restaurants sind voll. Straßenkünstler führen ihr Können vor und werden auch von vielen bewundert. Ich bekomme Piroggen und Salat und viel Wasser. Ich komme im Dunklen im Hotel an. Ich will Idefix nun nicht mehr ins Auto in die dustere Parkgarage bringen, er darf in meinem Zimmer übernachten.
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