25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014 Die Mauer muss weg... Ja, ich gebe zu, auch ein viertel Jahrhundert nach der Wende und nach fast 20 Jahren, die seit meiner eigenen Umsiedelung hinter den ex-eisernen Vorhang vergangen sind, habe ich mich niemals groß um die Nachbarn im Osten geschert. Prag kenne ich, da war ich zu Chemnitz-Zeit
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23.06.2014
25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
SO, 8.6.2014: Auschwitz und nach Krakau
Ich erwache mit einem Brummschädel. Ich habe es mal wieder nicht hinbekommen, die Klimaanlage ordentlich einzustellen, also wurde es im Laufe der Nacht immer heißer und stickiger.
Ich brauche daher auch ein bisschen, bis ich in die Gänge komme. Ein Kaffee und ein paar Kekse im Zimmer ersetzen das Frühstück im Hotel.
Fix und freundlich werde ich ausgecheckt und es geht weiter zum nächstes Ziel. Die Autobahn ist heute am Sonntag leer. Sie ist zwischen Breslau und Kattowitz mautpflichtig. Ich zahle etwas mehr als vier Euro. Man zieht einfach am Anfang der Mautstation eine Karte. Am Ende der Mautstrecke gibt man am Kassenhäuschen Geld ab. Ich möchte in Euro zahlen, das geht problemlos.
Das bedrückende Auschwitz wartet. Das ist keine Filmkulisse, sondern alles ist Wirklichkeit, was es da zu sehen und zu erfahren gibt.
Der Ort an sich wirkt noch sehr wie Osten. Das ist dem Bahnhof geschuldet, der sicher weit vor der Wende errichtet wurde. Ganz nah sind die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau. Ob die Einwohner hier wirklich nicht ahnten, was hier passierte? Und wie ist es wohl gewesen für einen SS-Menschen, der abends nach der Schicht zurück kam zu Frau und Kind, nachdem er zuvor den ganzen Tag bei den ankommenden Zügen eingeteilt hatte, wer nach rechts zum arbeiten musste und wer nach links musste zum Sterben?
Ich bekomme eine Marke für eine Führung, die um 12.30 Uhr beginnen soll. Am Eingang steht, dass man nur mit Führung rein darf. Ich gehe lieber allein, ich mag nicht in einer Herde herumlaufen. Das machen außer mir noch andere so, niemand hält uns davon ab.
Die Marke, die ich für die deutsche Führung bekommen habe, ist braun, wenn auch ein wenig ins Orange tendierend. Absichtliche Assoziation? Ich bin 1968 geboren, trotzdem frage ich mich, wie ich als Deutsche nun mehrere Generationen später damit umgehen soll, was meine Vorfahren hier völlig überzeugt getan haben. Das "Vernichten" von Menschen offensichtlich in erster Linie ein logistisches Problem, und hier erfahre ich, wie dieses optimiert umgesetzt wurde.
Ich denke daran, wie selbstverständlich ich schon in so vielen Ländern aufgenommen wurde und schäme mich für meine Landsleute, die heute wieder Parolen schreien und selbstverständlich genau wissen, wer schuld ist daran, dass es ihnen selbst nicht noch einen Tick besser geht.
Die Anlage selbst wirkt trotz des vielen Stacheldrahtes irgendwie friedlich - wenn nur nicht..., wenn nur nicht...
Das Grauen wird sehr dezent beschrieben. Ich finde es gut, dass die Gedenkstätte nicht reißerisch aufgemacht ist und ein bisschen schade, dass es keine Audiotour gibt. Überall sehe ich bedrückte Mienen, auch wenn es hier eigentlich nicht viel Furchtbares zu sehen gibt. Im Gegenteil, hätte man mir zu den roten Backsteingebäuden mit den grünen Wiesen dazwischen beschrieben, dass es sich um eine Art Erholungsheim wie Prora gehandelt hat, hätte ich es geglaubt, wüsste ich es nicht besser.
Vielleicht wäre es doch gut gewesen auf die Führung zu warten...
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Nach Auschwitz fahre ich noch mit dem Shuttle die kurze Strecke nach Birkenau. Das ist ein riesiges Gelände. Die, die hier auf Herrenmenschen gemacht haben, haben sich dann doch noch in die Hosen geschissen und in letzter Minute versucht alle Beweise zu vernichten und das Lager abzubrennen. Das gelang zum Glück nicht. Es bleibt ein riesiges Feld mit teilweise erhaltenen Baracken, dem Einfahrtstor und den Schienen, auf denen die Züge einfuhren.
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Es ist heiß, ich habe nun genug des Bedrückenden gesehen, halte es auch nicht mehr aus, und mache mich auf die letzte Etappe nach Krakau. Die Kopfschmerzen sind weg. Vielleicht war doch nicht das Raumklima letzte Nacht schuld, sondern der anstehende Besuch in Auschwitz?
Ich entscheide mich der Navi zu trotzen und die Landstraße zu fahren um ein bisschen davon näher betrachten zu können. Es geht durch nette Dörfer, sehr gepflegt, sehr sauber. Vor allem die Kirchen sind schmuck hergerichtet. Ein bisschen ist es wie durch Bayern zu fahren mit der etwas welligen Landschaft und den Kirchen oft auf erhöhten Plätzen.
Auch in Krakau finde ich mein Hotel schnell. das Galaxy-Hotel liegt wiederum neben einer Shoppingmall: Sehr modern, sehr edel wirkend. In der Tiefgarage steht auch hier mein Auto sicher. Allerdings läuft man ein bisschen in die Stadt, aber das macht nichts, Idefix bringt mich schnell hin über den schönen Weg an der Weichsel entlang.
Idefix und ich machen uns auf den Weg in die Stadt. Herrliches Wetter, ein schöner Weg durch Parkanlagen immer am Wasser entlang. Am Wegesrand und auf Restaurantschiffen sitzen Leute. Radfahrer, Inlineskater und viele, viele Fußgänger sind unterwegs - und eine Rollerfahrerin.
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Ich fahre an dem Haus vorbei, in dem Johannes Paul II früher gelebt hat. Ich wurschtele mich durch in die Stadt zum hiesigen Rynek, ein riesiger Platz, mitten darauf die riesige Tuchhalle, und so viele Kneipen sind drum herum! Und was für ein Glück, irgendwo in einer dieser Kneipen gibt es in der ersten Reihe einen Platz für mich. Und hier gibt es Piroggen und viel Wasser.
Ich habe Zeit genug die vielen schönen Kutscherinnen und die schönen Kutschen und schönen Pferde anzusehen, die hier abfahren. Die Kutscherinnen sind bildschön und fein gemacht in schwarz-weißer Kleidung und mit Hut.
Ich gehe einmal um die riesige Tuchhalle herum und durch sie hindurch. Ich roller hierhin, dahin, dorthin, noch ein Eis zwischendurch, viele, viele Fotos.
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Dann mache ich mich doch noch auf zum Wawel, der Burganlage, schon mal schauen, was es hier so gibt. Idefix darf leider nicht hier hoch. Mein Polnisch reicht nicht aus um dem strengen Wächter zu erklären, dass er ein harmloser, kleiner Roller ist und kein großes, böses Fahrrad. Es hilft nichts, ich muss ihn hier anbinden.
Ich schaue von hier auf den Fluss und gehe einmal herum, morgen komme ich wieder.
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Idefix und ich machen uns wieder auf den Weg. Am Fluss sitze ich eine ganze Zeit, schaue auf das Wasser und lasse mich von Mücken zerstechen, während ich den Reisebericht zu schreiben beginne. Irgendwie bin ich jetzt in Polen angekommen: Ich erkenne die Münzen und kann einen guten Tag wünschen.
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Ich roller weiter nach Kazimierz, in das alte jüdische Viertel. hier gibt es eine Menge Kneipen, in denen alles nur etwa zwei Drittel von dem kostet, was es am Rynek kostet.
Sehr lecker werde ich satt, trinke ein Bier dazu. Es ist so warm, ich sitze noch ewig draußen und roller dann zurück zum Hotel. Idefix darf mit ins Zimmer, dann muss ich ihn nicht noch ins Auto wuchten.
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