25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014 Die Mauer muss weg... Ja, ich gebe zu, auch ein viertel Jahrhundert nach der Wende und nach fast 20 Jahren, die seit meiner eigenen Umsiedelung hinter den ex-eisernen Vorhang vergangen sind, habe ich mich niemals groß um die Nachbarn im Osten geschert. Prag kenne ich, da war ich zu Chemnitz-Zeit
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23.06.2014
25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
DI, 10.6.2014: Salzbergwerk Wieliczka und Krakau
Ich breche auf zur etwa halbstündigen Fahrt zum Salzbergwerk in Wieliczka. Es wird in jedem Reiseführer und auf etlichen Internetseiten als ein absolutes Highlight Krakaus vorgestellt, und die Bilder der unterirdischen Kirche faszinieren mich schon.
Der Ort ist schnell gefunden, und hier tobt der Bär. Besichtigung geht nur mit Führung, die nächste in englischer Sprache startet in einer guten halben Stunde. Na ja, klar, dass man durch ein Bergwerk nicht auf eigene Faust spazieren darf. Angeblich verläuft man sich hier sehr schnell in den 250 km unterirdischer Gänge.
Das Bergwerk wird für Heilbehandlungen der Atemwege benutzt, und außer der allgemeinen Touristentour gibt es noch eine Art Abenteuertour, bei der man sich selbst als Bergmann ausprobieren kann.
Die Zeit reicht gerade noch um mich im netten Kurort Wieliczka nach einer Kleinigkeit zu essen umzusehen, denn wie immer habe ich nicht gefrühstückt. in einem Land, in dem es eine komplette große Mahlzeit ab etwa 5 Euro gibt, muss ich nicht das Dreifache für ein Frühstück im Hotel ausgeben.
Ein Hefeteilchen und ein Trinkjoghurt aus einem "Delikatessenladen", der aussieht, als sei er seit mindestens den 70er Jahren bereits ein Intershop gewesen (gab es so etwas eigentlich in Polen?) lasse ich als ausreichendes Frühstück durchgehen.
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Dann wird es Zeit sich bei schon etwa 30 Grad in die Schlange zu stellen.
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Es geht los, zunächst 60 Meter zu Fuß in die Tiefe, wohltuend ohne die vielen aus USA-Urlauben gewohnten Instruktionen, dass man Wasser und eine Jacke mitnehmen soll, die nächste Toilette erst nach einer Stunde erreichbar ist, dass es steil oder rutschig sein könnte, wie man sich bei einem Panikanfall verhalten sollte und dass man selbst schuld ist, wenn man stirbt etc.
Lediglich eine beunruhigende Nachricht hält man für die geneigte Gästeschar bereit: Der Rundgang wird 3 oder 3,5 Stunden dauern. Schluck! Zum Glück habe ich Kekse aus dem Delikatessenladen und einen halben Liter Wasser dabei. Ich male mir aus, wie der Weg durch die Stollen von verendeten Touristen gesäumt ist, die es nicht mehr bis zum Ausgang geschafft haben und an Hunger verstorben sind. Und eine gute Nachricht gibt es: Der Kreislauf wird bei 14 bis 16 Grad von der Sommerhitze entlastet werden. Ich greife prophylaktisch nach meiner Strickjacke.
Eine endlos scheinende Wanderung beginnt, die eigentlich nur 2,5 km lang ist - noch ein Stollen und noch 'ne Treppe. Immer wieder bleiben wir stehen, entweder weil die Kindergartenkinder in der Gruppe vor uns ihre Erklärungen noch nicht bekommen haben oder weil wir nun dran sind damit erklärt zu bekommen, dass auch Kopernikus vor über 500 Jahren schon hier war.
Und übrigens: Goethe war auch schon hier, allerdings erst ein paar Jahre nach Kopernikus.
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Die unterirdische Kirche ist wirklich beeindruckend. Alles hier ist aus Salz gemacht, vom Boden, der wie gefliest aussieht, bis zum Kronleuchter. Außerdem bietet man dem Gast hier eine nachgemachte Methangas-Explosion, den üblichen unterirdischen Salzsee bei Musik von Chopin und eine ziemlich abgefahrene Lightshow.
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Ich schaue heimlich immer wieder auf die Uhr. Langatmigkeit ist immer noch nicht mein Ding. Und zwischen drängelnden Leuten gefangen zu sein ohne weg zu können auch nicht. Ich sollte es doch endlich mal gelernt haben, dass Bergwerke und Höhlen sowieso generell nicht mein Ding sind. Kennst du eine, kennst du alle, zumindest da, wo es so nett aufbereitet ist, dass der geringste Hauch von Abenteuer fehlt. So denke ich zumindest, während der gerade in den Medien aktuelle "Höhlenforscher" immer noch nicht weiß, ob und wann er aus der weniger nett aufbereiteten Riesending-Höhle gerettet werden kann.
Nach "schon" zwei Stunden ist die Führung beendet, und weitere 5 Minuten braucht die nette junge Dame bis sie den Weg zum Ausgang erklärt hat. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich schon raus bin aus der Nummer, denn bis ich beim Aufzug bin (ja, hoch kann man fahren) und der Aufzug mich ans Tageslicht befördert hat, vergeht noch eine weitere halbe Stunde des Rumstehens zwischen irgendwelchen Leuten.
Beim Verlassen des Parkplatzes weist mich der Parkwächter darauf hin, dass man in Polen auch bei Tag mit Licht fahren muss. Hm, das hätte ich eigentlich wissen oder aber bemerken können.
Etwas genervt fahre ich zurück nach Krakau. Den im Reiseführer angepriesenen Aussichtspunkt finde ich nicht und bin noch genervter.
Ich mache mich auf ins Hotel, aber eigentlich nur um das Auto abzustellen, schnappe mir Idefix und auf geht es in die Stadt. Zwar habe ich keine Lust auf Museum, aber ein bisschen herumsitzen und bei einem Salat und einem kalten Cola Leute gucken, das ist perfekt.
Der Himmel wird immer dunkler und bedrohlicher, und als die ersten Tropfen fallen, bin ich so gerade rechtzeitig in der Galeria Krakow. Bei einer Cinnamon Roll ist Krakau aber selbst bei einem Wolkenbruch schön. Zu kaufen gibt es hier vieles, aber nichts Besonderes, was es nicht auch in Deutschland gäbe. Und so breche ich wieder auf, als ich bemerke, dass der Himmel sich wieder aufgehellt hat und der eine oder andere Sonnenstrahl durch das gläserne Dach der Mall dringt.
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Nun nehme ich noch einmal den Besuch des Kopiec kosciuszki in Angriff gemeinsam mit Idefix. Es geht erst durch eine einfache, dann durch eine hübsche Wohngegend, dann einen netten, aber leider steilen Weg am Hang hoch. Idefix muss geschoben werden, hier kann man nicht rollern, das ist bergauf zu anstrengend. Idefix flirtet immer wieder mit netten Polen, die ihn offenbar loben. Leider verstehen wir kein Wort und können nur nett zurücklächeln.
Der Ausblick reicht weit in die Ferne, aber wie immer bei solchen Ausblicken ist auch dieser eigentlich nicht fotografierenswert.
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Zurück nehme ich eine andere Strecke, es geht einen recht steilen Pfad runter. Obwohl Idefix als "Kostka Hill cross" eigentlich fürs Downhillfahren gemacht ist, überlasse ich das den Mountainbikern, die hier unterwegs sind und steige erst wieder auf, als es über einen breiten und glatten Radweg entlang des Blonia weiter geht, eine riesige Wiese, die von Skatern, Läufern, Radfahrern, Idefix und mir umrundet wird.
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Ich habe noch keine Lust auf Hotel und setze mich auf zwei Cocktails und ein paar Piroggen in eine der vielen Kneipen am Rynek, wo eine Band Livemusik macht. Dank des auch hier freien WIFI habe ich genug Unterhaltung, kann für morgen planen und ein paar Fotos hochladen, so halte ich es hier lange aus.
Zum Abschied gibt es noch ein paar Nachtbilder einer wirklich schönen Stadt mit Flair.
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